Vorstellung der Burg und Kapitelablauf

Ihr betretet durch das Burgtor die Burg der Gutrater Ritterschaft, befindet Euch in der Vorburg, wo sich die Sassen rüsten. An der Pforte zur Burgstube befindet sich der Grußstein, der aus der einstigen Feste Gutrat stammt, und man legt die rechte Hand mit den Worten "Gott zum Gruß" auf diesen.

Dann begrüßen wir alle im Rempter anwesenden Sassen in brüderlicher Art und Weise. Mit dem Eintritt in die Burg vergessen wir alles Profane und bedienen uns der Rittersprache. Das profane Wort "du", sowie profane Gespräche sind zu unterlassen, insbesondere über Politik und Religion. Im Rempter befindet sich der Thron, welcher mit dem hochedlen Großmeister, dem wohlweisen Kanzellarius und dem Zeremoniar besetzt wird. Am Throne liegend befindet sich das Zepter. Ferner sehen wir das Reichsschwert, den Gong und den Zeremonienstab. Die Kapitelkerze, welche zum Beginn jedes Kapitels vom Burghauptmann entflammt wird. Er bringt uns mit seiner Laterne sozusagen das Symbol des Lebens-, Licht- und Wärme in unsere Burg.Der hochedle Großmeister entflammt nun die sogenannten "drei großen Lichter" am Throne mit einem sinnvollen Spruch. Sie sind Symbol für Weisheit, Stärke und Schönheit. (Möge uns Weisheit stets leiten, möge Stärke uns in unserem Tun führen, möge Schönheit unsere Kapitel gestalten). Von der Kapitelkerze wird das Licht nun zu den Leuchten auf den Tischen der Sassenschar getragen. So ritterliche Gäste anwesend sind, ersucht der hochedle Großmeister den Burgpfaffen, die Freundschaftskerze zu entflammen. Dies geschieht wieder durch die Entnahme des Lichtes von der Kapitelkerze mit einem sinnvollen Spruch des Burgpfaffen. So ein Recke auf Walhall abberufen wurde, wird für diesen die Totenkerze entflammt und seiner gedacht.

Nun sehen wir die Rostra, welche auch als Kanzel dem Burgpfaffen zur Predigt dient.
An die Wand gelehnt sieht man das Banner der Gutrater Ritterschaft. Die Burgwände sind geschmückt mit den Wappen der Recken und der Burg- und Freifrauen. Sie wurden in Handarbeit aus Holz geschnitzt. Ferner sehen wir als Burgschmuck die Waffen (Schwerter, Hellebarden, Spieße), das Kusshorn und den Fehdehandschuh. Im Rempter stehen die Tische und Stühle der Sassen und gesondert der Zuchttisch, der dem Zuchtmeister mit seinen Knappen und Junkern innegehabt wird.

Weiteres befindet sich an einer Wand das Bildnis des Heiligen Rupert, des Schutzpatrons der Gutrater, sowie die Stiftungsurkunde des Bundes. Wünscht der hochedle Großmeister den Kapitelbeginn, ruft der Zeremoniar zum Rüsten. Die Sassen legen die ritterliche Bekleidung an und werden sesshaft. Sodann wird der Burghauptmann gerufen, welcher die Sicherung der Burg meldet und das Licht in die Burg bringt.
Anschließend wird der wohlweise Kanzellarius zur Benamsung des Kapitels aufgerufen. Er bestimmt auch den Chronisten und vermeldet die Anwesenheit der angesprengten Gäste. Weiteres gibt er die entschuldigt und unentschuldigt abwesenden Sassen des Bunde bekannt. Der hochedle Großmeister wird nunmehr gebeten, das Kapitel zu eröffnen. Der Hochedle begrüßt nun die Anwesenden. Sofern unter diesen ritterliche Gäste weilen, kann er eine ritterliche Vorstellung anordnen. Wird aus besonderem Anlass ein Kapitel zum Festkapitel erhoben, verliest der Freigraf den Burg und Bannfrieden.

Über Anordnung des Zeremoniaren wird anschließend das Kapitellied gesungen. Hiezu erheben sich sämtliche Sassen vom Steiß. In diesem Teil des strengen Offiziums, in welchem Atzung und Labung untersagt sind, kann ein Brudertrunk kreisen.
Über Aufforderung verliest der Kanzellarius die eingelangten Geschreibsel. In diesem Zusammenhang weist er auf die kommenden Kapitel und Feste hin. Nun wird er Chronist zur Verlesung der Chronika des letzten Kapitels gerufen. Im strengen Offizium können nur ernste Vorträge gebracht werden. Diese sind, so wie alle übrigen Vorträge stetes vor Kapitelbeginn dem Zeremoniaren zu melden, welcher sie nach seinem Ermessen reiht, und zu deren Vortrag den jeweiligen Sassen aufruft. Lüftungspausen während des Kapitels werden über Anordnung des Hochedlen oder durch den Zeremoniaren verkündet.
In Fortführung des Kapitels erfolgt noch im strengen Offizium die Predigt des Burgpfaffen mit anschließender Säckelung. Ein Kellergang kann angeordnet werden und es folgt die Weihe des Humpens. Bei der anschließenden Humpenkreisung wird vom hochedlen Großmeister bestimmt, in welcher Art der Humpen zu Kreisen hat.

Mit Absingen des Burgmottos endet das strenge Offizium.
Nun erfolgt die große Lüftungspause. Es kann aber Atzung, Labung und Luntettengenuß im strengen Offizium durch den Zeremoniaren über Auftrag des Hochedlen in Sunderheit freigegeben werden. Das Betreten des Rempters durch später Ansprengende sowie das Verlassen des Rempters kann ausschließlich nur während einer Lüftungspause erfolgen. Es wird daher der Burghauptmann den verspätet Angerittenen solange in der Vorburg zurückhalten, bis der Zeremoniar eine Lüftungspause verkündet.

Die weitere Kapitelfolge ist das Inoffizium. In diesem ruft der Zeremoniar den Freigrafen zur Verkündung des Freien Thing. In diesem folgen Turneygänge und spricht auch der Freigraf die Pönen aus. Ebenso wird durch diesen der Brückenzoll eingehoben. Zu erwähnen wäre noch, dass bei allen Vorträgen, sei dies im Offizium oder Inoffizium Ruhe zu herrschen hat, da es eine Unhöflichkeit ist, einen Vortrag durch Zwischenrufe und Getratsche zu stören. Es zählt dies zur größten Unritterlichkeit und ein derartiger Verstoß wird vom Freigrafen entsprechend geahndet. Die Aufforderung "Silentium" durch den Zeremoniaren soll ein strenger Hinweis sein. Auch können im Inoffizium Knappen und Junkerspiele abgehalten werden.
So das Kapitel die 12. Nachtstunde überschreitet, kann der Großmeister die feierliche Mitternachtsweihe anordnen, oder er schließt vorher das Kapitel und beendet somit das Inoffizium. Er verlöscht die großen Leuchten und die Kapitelkerze. So die Freundschaftskerze oder die Totenkerze entflammt wurden, verlischt diese der Burgpfaffe, der hiezu aufgerufen wird. Der Burghauptmann wird zur Öffnung der Burgtore befohlen und verlässt mit einem "Gott zum Gruß" den Rempter. Die große Rüstung kann nunmehr abgelegt werden. Der Thron wird verlassen und das Gaudium (freie Sippung) beginnt. Das Tragen des Bundesbandes und Ritterkreuzes ist für die Sassen Gutrats auch im Gaudium bis zum Verlassen der Burg Pflicht. Den ritterlichen Gästen ist dies freigestellt.

Eine Anwesenheitspflicht für bundeseigene Sassen besteht im Gaudium nicht. Das Gaudium beinhaltet Musik, Lieder, Vorträge profaner Art und Tanz. Die ritterliche Redensart ist nicht mehr zwingend. Wechselreden über Politik sind nach wie vor untersagt.

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