Hochedler
Großmeister, liebe Ritterbrüder, vielminnigliche Burgfrauen
Ein
Gott zum Gruße ehevor!
Der
Herbst hatte wohl schon so manches Pläuschchen mit dem Winter
gehalten, denn seit Tage schon mischte sich die klare Herbstluft mit
dem ersten Geruch nach Schnee. Die morgendlichen Felder mit Reif überzogen,
von der, an Kraft abnehmenden Sonne langsam erwärmt und im Nebel
eintauchend.
Und auch dieser war einer jener Tage, der uns mit vergehender Wärme
und erster Kälte verwöhnte. Dem zu trutzen machten sich
fleißige Recken schon zeitig auf, die Burg mit allerlei Köstlichkeiten
für den Empfang vorzubereiten und den Ofen mit Holzscheiten zu
füllen, die bald schon im Ofen glimmten.
Schon am Tag zuvor war ein Wagen angekommen, der Wildbret mit sich
führte, die Gaumen der Sassen und ihrer Gäste zu delektieren.
Nun wurde geputzt, Tische und Bänke an ihren Platz geschoben
und die Speisen zur weiteren Verkochung zugestellt. Zuletzt wurde
das Bier angeschlagen, was so manchen Gaumen zu einer Probe verleitete,
nun man wollte ja dem Gast nichts Verdorbenes kredenzen und opferte
sich wohl deshalb für dieses schwere Amt.
Sei es wie es sei, am späten Nachmittag war alles bereitet und
die Sassen versammelten sich zahlreich im Hof, um trotz der nun einsetzenden
abendlichen Kälte, der Gäste zu warten und sie in den Rämter
zu geleiten.
So ward um Clock 18 das große schwere Burgtor geöffnet
und ehrenvolle Großmeister, Fähnleinführer, Recken
und Burgfrauen traten ein, mit uns gemeinsam diesem wundervollen Anlass
beizuwohnen. Unser wohledler Ritter Johann Bernhard von Rehlingen
zue Goldensteyn, Säckelmeister des Bundes, hob den Brückenzoll
ein, während unser stattlicher Burghauptmann Pilgrim Martin,
mit seinem zierlichen Feinkostgewölbe, den Rückweg aus der
Burg versperrte. Langsam zog sich der Duft des Wildes durch die Burg
und lockte uns, das Wasser im Mund zusammenlaufen lassend, zu den
Herdbänken. Junker Siegmund, Burgfrau Minnegard von Marquardstain
und Burgfrau Salome von Kuchl, füllten die Teller der angesprengten
bis zum Rand, während sich der wohledle Liupold von Plain um
die flüssige Nahrung bemühte.
Endlich saßen alle und ein Schmatzen und Schlürfen erhob
sich ... nicht, obwohl es allen sehr mundete, doch zog man es vor
die Zeit der Atzung für Gespräche zu nutzen und dem köstlichen
Essen hie und da den Genuss von Rauchwerk nachzugehen. Indes wurden
die Essgeschirre weggebracht und die Reste dem Sautrog, das Geschirr
dem Wasserbecken zugeführt.
Endlich um Clock 19 und 39 der Minütelein wurden die Sassen zum
Rüsten aufgerufen und der Burghauptmann kehrte von seiner letzten
Runde durch die Burg zurück
Sich derart in Sicherheit wissend, begann der wohledle Hanns von Haunsperg
den althergebrachten Prolog zum Festkapitel vorzutragen.
Alsdann wurde der Burghauptmann gerufen, um uns die Sicherheit zu
garantieren, wobei uns als Burgfrouwe zum ersten Mal tiefe Einblicke
in das Kriegs- und Verteidigungshandwerk gewährt wurde, hatten
wir doch bisher der irrigen Annahme aufgesessen, die Pechnasen seien
mit Pech gefüllt, jetzt wissen wir, dass darin heißes Wasser
ist, das den Feinde wohl mehr zu schrecken vermag als die stinkende
schwarze Brühe.
Der Lichtleinträger Junker Siegmund trug die Lichter an die Herdbänke,
während der hochedle Großmeister Siegmund von Ramseiden
die Kerzen am Hochsitz entflammte.
Alsbald wurde um Ruhe gebeten, nur aus einem kleinen Eckchen, angeführt
von Dominik dem Widerspenstigen wurden noch letzte Kommentare laut.
Der Kanzellarius, der wohledle Ulrich von Kahlham verlas die Kapiteldevise
und bestimmte uns zum Chroniste des Kapitels, ehe der Zeremoniar die
angesprengten Gäste nach Rang und Würd verkündete.
Nachdem wir uns mit Freude der zahlreichen Schar illustrer Gäste
bewusst wurden, hießen uns gen Clock 19 und 49 der Minütelein
die Worte des hochedlen Großmeisters Siegmund von Ramseiden
willkommen. Auch wurde dem Anlass gemäß die Burgkirch gesandt,
um die Freundschaftskerze zu entflammen, ehe der Burghauptmann den
Burg und Bannfrieden verkündete, um jeglich Angesprengten anheut
vor den insunders grausamen Strafen auf Burg Golling zu warnen und
diese schier im selben Atemzuge für das heutige Festkapitel aufzuheben.
Alsbald wurde Freizeit verkündet und wir hoffen inständig,
dass auch der hochedle Wegilo von Dietraming, in dieser noch von der
Aussetzung der Strafen an diesem Tage informiert wurde, da er während
der Verlesung der gräulichen Strafen den Rämter fluchtartig
verließ.
Nach ausreichender Lüftung, in der sich die Gutrater Sassen mit
ihren blankgeputzten Schwertern bewaffneten, andere den Neuigkeiten
aus den verschiedenen Burgen lauschten oder kleine Kringel rauchender
Kräuter in die herbstlich kühle Luft entsandten, wurde gen
Clock 20 und 21 der Minütelein wieder zur Sesshaftigkeit gerufen
und der hochedle Großmeister Siegmund von Ramseiden rief den
Ritterbruder Hanns von Haunsperg vor den Hochsitz. Andächtige
Stille kehrte im Rämter ein, als der wohledle Wolfgang Panichner
zue Wolkerstorf die in Reimform verfasste Laudatio für den angehenden
Großmeister, aus der Feder des hochedlen Großmeisters
Siegmund von Rammseiden, verlas. Diesen stimmungsvollen Worten folgte
der Prolog des hochedlen Großmeisters Siegmund von Ramseiden,
in denen er die Eckpfeiler ritterlicher Führungsstärke,
die Ausübung weiser Intelligenz, die Vorbildwirkung für
ritterliches Tun, die Einsatzbereitschaft für den Bund und die
weltmännische Haltung eindrucksvoll einmahnte.
Alsdann legte Hanns von Haunsperg, dem Zeremonium folgend, seine Hand
auf das Großmeisterschwert und bekräftigte den Eid, in
Handeln und Denken den hohen Zielen der Ritterschaft nachzueilen,
worauf der hochedle Großmeister Siegmund von Ramseiden diesen
kraft seines Amtes einsetzte und ihn zum neuen Großmeister ernannte.
Der wohledle Marquard von Marquardstain, Burgkirch des Bundes, weihte
die Insignien und reichte dem hochedlen Hanns von Haunsperg
- die Großmeisterkette mit dem Ritterkreuz, als Zeichen der
Verbundenheit mit den Sassen, wie es die Glieder einer Kette sind.
-den Hermelin, als Zeichen höchster Ritterlichkeit und seine
Pflicht diejenigen zu schützen, die seines Schutzes bedürfen.
Alsdann wurden die Sassen der Gutrater Ritterschaft zue Golling einzeln
aufgerufen, die Inthronisationsurkund kraft ihres Namens zu zeichnen
und den in Amt und Würden gesetzten, gewählten Großmeister
mit einem Schwerterdach zu begrüßen und ihre Treue zum
Bund zu bekunden.
Diesem andächtigen Zeremonium folgte eine Freizeit, in der der
hochedle Großmeister Hanns von Haunsperg zum Kusse herumgereicht
wurde, welcher vom wohlschmeckenden Gebäck der vielminniglichen
Carla von Goldenstein und der vielminniglichen Eleonora von Ramseiden
versüßte wurde.
Gen Clock 21 und 16 der Minütelein wurde erneut zum Kapitel gerufen,
eingeleitet von der Inthronisationsansprache des hochedlen Großmeisters
Hanns von Haunsperg, in der er uns versprach, jeglich Unbill zu trutzen,
Verführungen jeglicher Art zu widerstehen und dem ritterlichen
Weg zu folgen, sofern es in seiner Macht liege.
Alsbald entsandte der Zeremoniar Heinrich von Kuchl den Kellermeister,
Knappen Richard in die Untiefen des Gutrater Kellers, aus dem dieser
mit einem ansehnlichen Tropfen edlen Rebensaftes hervorkroch, dessen
Verkostung keinen sichtbaren Schaden an ihm erkennen ließ.
Ob dieser Tatsache erleichtert, weihte die Burgkirch den Humpen und
kam dabei auch ihrer bitteren Pflicht, den Zehent zu entnehmen geziemiglich
nach. In seiner Predigt brachte uns der wohledle Marquard von Marquardstain
ein Gleichnis, vom Thron, der aus den Schwertern der Recken gebaut
ist, der diesen trägt und ehrt mit der gesammelten Kraft seiner
Recken , doch dessen Spitzen und Kanten blutige und verschorfte Spuren
hinterlassen, als Symbol für die Pflicht eines Großmeisters
als erster Mann im Bunde Pflichten auf sich zu nehmen und als letzter
Mann im Bunde Bürden abzulegen.
Uns nachdenklich hinterlassend, schritt er alsbald zur Säckelung
und verkündete Ablass bis zum nächsten Kapitel, während
er den wohlgefüllten Säckel dem Schatzmeister überreichte.
Alsdann wurde den Gästen und Gutrater Sassen nach Rang und Würd
der Humpen gereicht, die sich nach ritterlicher Vorstellung und sinnigen
Worten, sowie Beglückwünschungen des neun Großmeisters
und der Überreichung wundervoller Angebinde aus dem Humpen labten.
Zuletzt wurde er uns, als Vertreterin der Burgfrauen gereicht, ehe
der Kellermeister damit vor den hohen Thron trat und sich nach dessen
weiteren Verbleib erkundigte, als plötzlich der Zwischenruf Zeremoniarwillkür
laut wurde, hatte man doch den neuerkürten Hochedlen Großmeister
Hanns von Haunsperg vergessen, der anmerkte, dass er sich doch gern
vorstellen würde. Dies wurde ihm natürlich umgehend gestattet
und so konnte er sich noch für all die Worte und Gaben und ebenso
für die Treue seiner Mannen bedanken und betonen, dass das wertvollste
aller Güter die Gemeinschaft im Bund sei.
Zuletzt ward der Kellermeister noch einmal entsandt, den Humpen aufs
neue zu füllen, ehe er im Rämter kreise, während der
Zeremoniar den Hochedle um seine Schlussworte bat , der Burghauptmann
gen Clock 22 und 20 der Minütelein die Burg öffnete und
die Kerzen langsam verlöschten, und damit das Gaudium diesem
sehr sinnigen und romantischen Kapitel folgte.
Der
Chroniste Mechthild von Haunsperg