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Gutrater Reitersiegel
Ein Gott zum Gruße ehevor !


Chronika zum 297. Kapitel, dem Inthronisationskapitel des
wohledlen Hanns von Haunsperg

Hochedler Großmeister, liebe Ritterbrüder, vielminnigliche Burgfrauen

Ein Gott zum Gruße ehevor!

Der Herbst hatte wohl schon so manches Pläuschchen mit dem Winter gehalten, denn seit Tage schon mischte sich die klare Herbstluft mit dem ersten Geruch nach Schnee. Die morgendlichen Felder mit Reif überzogen, von der, an Kraft abnehmenden Sonne langsam erwärmt und im Nebel eintauchend.
Und auch dieser war einer jener Tage, der uns mit vergehender Wärme und erster Kälte verwöhnte. Dem zu trutzen machten sich fleißige Recken schon zeitig auf, die Burg mit allerlei Köstlichkeiten für den Empfang vorzubereiten und den Ofen mit Holzscheiten zu füllen, die bald schon im Ofen glimmten.
Schon am Tag zuvor war ein Wagen angekommen, der Wildbret mit sich führte, die Gaumen der Sassen und ihrer Gäste zu delektieren.
Nun wurde geputzt, Tische und Bänke an ihren Platz geschoben und die Speisen zur weiteren Verkochung zugestellt. Zuletzt wurde das Bier angeschlagen, was so manchen Gaumen zu einer Probe verleitete, nun man wollte ja dem Gast nichts Verdorbenes kredenzen und opferte sich wohl deshalb für dieses schwere Amt.
Sei es wie es sei, am späten Nachmittag war alles bereitet und die Sassen versammelten sich zahlreich im Hof, um trotz der nun einsetzenden abendlichen Kälte, der Gäste zu warten und sie in den Rämter zu geleiten.
So ward um Clock 18 das große schwere Burgtor geöffnet und ehrenvolle Großmeister, Fähnleinführer, Recken und Burgfrauen traten ein, mit uns gemeinsam diesem wundervollen Anlass beizuwohnen. Unser wohledler Ritter Johann Bernhard von Rehlingen zue Goldensteyn, Säckelmeister des Bundes, hob den Brückenzoll ein, während unser stattlicher Burghauptmann Pilgrim Martin, mit seinem zierlichen Feinkostgewölbe, den Rückweg aus der Burg versperrte. Langsam zog sich der Duft des Wildes durch die Burg und lockte uns, das Wasser im Mund zusammenlaufen lassend, zu den Herdbänken. Junker Siegmund, Burgfrau Minnegard von Marquardstain und Burgfrau Salome von Kuchl, füllten die Teller der angesprengten bis zum Rand, während sich der wohledle Liupold von Plain um die flüssige Nahrung bemühte.
Endlich saßen alle und ein Schmatzen und Schlürfen erhob sich ... nicht, obwohl es allen sehr mundete, doch zog man es vor die Zeit der Atzung für Gespräche zu nutzen und dem köstlichen Essen hie und da den Genuss von Rauchwerk nachzugehen. Indes wurden die Essgeschirre weggebracht und die Reste dem Sautrog, das Geschirr dem Wasserbecken zugeführt.
Endlich um Clock 19 und 39 der Minütelein wurden die Sassen zum Rüsten aufgerufen und der Burghauptmann kehrte von seiner letzten Runde durch die Burg zurück
Sich derart in Sicherheit wissend, begann der wohledle Hanns von Haunsperg den althergebrachten Prolog zum Festkapitel vorzutragen.
Alsdann wurde der Burghauptmann gerufen, um uns die Sicherheit zu garantieren, wobei uns als Burgfrouwe zum ersten Mal tiefe Einblicke in das Kriegs- und Verteidigungshandwerk gewährt wurde, hatten wir doch bisher der irrigen Annahme aufgesessen, die Pechnasen seien mit Pech gefüllt, jetzt wissen wir, dass darin heißes Wasser ist, das den Feinde wohl mehr zu schrecken vermag als die stinkende schwarze Brühe.
Der Lichtleinträger Junker Siegmund trug die Lichter an die Herdbänke, während der hochedle Großmeister Siegmund von Ramseiden die Kerzen am Hochsitz entflammte.
Alsbald wurde um Ruhe gebeten, nur aus einem kleinen Eckchen, angeführt von Dominik dem Widerspenstigen wurden noch letzte Kommentare laut.
Der Kanzellarius, der wohledle Ulrich von Kahlham verlas die Kapiteldevise und bestimmte uns zum Chroniste des Kapitels, ehe der Zeremoniar die angesprengten Gäste nach Rang und Würd verkündete.
Nachdem wir uns mit Freude der zahlreichen Schar illustrer Gäste bewusst wurden, hießen uns gen Clock 19 und 49 der Minütelein die Worte des hochedlen Großmeisters Siegmund von Ramseiden willkommen. Auch wurde dem Anlass gemäß die Burgkirch gesandt, um die Freundschaftskerze zu entflammen, ehe der Burghauptmann den Burg und Bannfrieden verkündete, um jeglich Angesprengten anheut vor den insunders grausamen Strafen auf Burg Golling zu warnen und diese schier im selben Atemzuge für das heutige Festkapitel aufzuheben. Alsbald wurde Freizeit verkündet und wir hoffen inständig, dass auch der hochedle Wegilo von Dietraming, in dieser noch von der Aussetzung der Strafen an diesem Tage informiert wurde, da er während der Verlesung der gräulichen Strafen den Rämter fluchtartig verließ.
Nach ausreichender Lüftung, in der sich die Gutrater Sassen mit ihren blankgeputzten Schwertern bewaffneten, andere den Neuigkeiten aus den verschiedenen Burgen lauschten oder kleine Kringel rauchender Kräuter in die herbstlich kühle Luft entsandten, wurde gen Clock 20 und 21 der Minütelein wieder zur Sesshaftigkeit gerufen und der hochedle Großmeister Siegmund von Ramseiden rief den Ritterbruder Hanns von Haunsperg vor den Hochsitz. Andächtige Stille kehrte im Rämter ein, als der wohledle Wolfgang Panichner zue Wolkerstorf die in Reimform verfasste Laudatio für den angehenden Großmeister, aus der Feder des hochedlen Großmeisters Siegmund von Rammseiden, verlas. Diesen stimmungsvollen Worten folgte der Prolog des hochedlen Großmeisters Siegmund von Ramseiden, in denen er die Eckpfeiler ritterlicher Führungsstärke, die Ausübung weiser Intelligenz, die Vorbildwirkung für ritterliches Tun, die Einsatzbereitschaft für den Bund und die weltmännische Haltung eindrucksvoll einmahnte.
Alsdann legte Hanns von Haunsperg, dem Zeremonium folgend, seine Hand auf das Großmeisterschwert und bekräftigte den Eid, in Handeln und Denken den hohen Zielen der Ritterschaft nachzueilen, worauf der hochedle Großmeister Siegmund von Ramseiden diesen kraft seines Amtes einsetzte und ihn zum neuen Großmeister ernannte.
Der wohledle Marquard von Marquardstain, Burgkirch des Bundes, weihte die Insignien und reichte dem hochedlen Hanns von Haunsperg
- die Großmeisterkette mit dem Ritterkreuz, als Zeichen der Verbundenheit mit den Sassen, wie es die Glieder einer Kette sind.
-den Hermelin, als Zeichen höchster Ritterlichkeit und seine Pflicht diejenigen zu schützen, die seines Schutzes bedürfen.
Alsdann wurden die Sassen der Gutrater Ritterschaft zue Golling einzeln aufgerufen, die Inthronisationsurkund kraft ihres Namens zu zeichnen und den in Amt und Würden gesetzten, gewählten Großmeister mit einem Schwerterdach zu begrüßen und ihre Treue zum Bund zu bekunden.
Diesem andächtigen Zeremonium folgte eine Freizeit, in der der hochedle Großmeister Hanns von Haunsperg zum Kusse herumgereicht wurde, welcher vom wohlschmeckenden Gebäck der vielminniglichen Carla von Goldenstein und der vielminniglichen Eleonora von Ramseiden versüßte wurde.
Gen Clock 21 und 16 der Minütelein wurde erneut zum Kapitel gerufen, eingeleitet von der Inthronisationsansprache des hochedlen Großmeisters Hanns von Haunsperg, in der er uns versprach, jeglich Unbill zu trutzen, Verführungen jeglicher Art zu widerstehen und dem ritterlichen Weg zu folgen, sofern es in seiner Macht liege.
Alsbald entsandte der Zeremoniar Heinrich von Kuchl den Kellermeister, Knappen Richard in die Untiefen des Gutrater Kellers, aus dem dieser mit einem ansehnlichen Tropfen edlen Rebensaftes hervorkroch, dessen Verkostung keinen sichtbaren Schaden an ihm erkennen ließ.
Ob dieser Tatsache erleichtert, weihte die Burgkirch den Humpen und kam dabei auch ihrer bitteren Pflicht, den Zehent zu entnehmen geziemiglich nach. In seiner Predigt brachte uns der wohledle Marquard von Marquardstain ein Gleichnis, vom Thron, der aus den Schwertern der Recken gebaut ist, der diesen trägt und ehrt mit der gesammelten Kraft seiner Recken , doch dessen Spitzen und Kanten blutige und verschorfte Spuren hinterlassen, als Symbol für die Pflicht eines Großmeisters als erster Mann im Bunde Pflichten auf sich zu nehmen und als letzter Mann im Bunde Bürden abzulegen.
Uns nachdenklich hinterlassend, schritt er alsbald zur Säckelung und verkündete Ablass bis zum nächsten Kapitel, während er den wohlgefüllten Säckel dem Schatzmeister überreichte.
Alsdann wurde den Gästen und Gutrater Sassen nach Rang und Würd der Humpen gereicht, die sich nach ritterlicher Vorstellung und sinnigen Worten, sowie Beglückwünschungen des neun Großmeisters und der Überreichung wundervoller Angebinde aus dem Humpen labten.
Zuletzt wurde er uns, als Vertreterin der Burgfrauen gereicht, ehe der Kellermeister damit vor den hohen Thron trat und sich nach dessen weiteren Verbleib erkundigte, als plötzlich der Zwischenruf „Zeremoniarwillkür“ laut wurde, hatte man doch den neuerkürten Hochedlen Großmeister Hanns von Haunsperg vergessen, der anmerkte, dass er sich doch gern vorstellen würde. Dies wurde ihm natürlich umgehend gestattet und so konnte er sich noch für all die Worte und Gaben und ebenso für die Treue seiner Mannen bedanken und betonen, dass das wertvollste aller Güter die Gemeinschaft im Bund sei.
Zuletzt ward der Kellermeister noch einmal entsandt, den Humpen aufs neue zu füllen, ehe er im Rämter kreise, während der Zeremoniar den Hochedle um seine Schlussworte bat , der Burghauptmann gen Clock 22 und 20 der Minütelein die Burg öffnete und die Kerzen langsam verlöschten, und damit das Gaudium diesem sehr sinnigen und romantischen Kapitel folgte.

Der Chroniste Mechthild von Haunsperg